Gemeindebrief April 2013

Liebe Gemeindemitglieder,Pastorin Bettina Rutz

wir kommen von Ostern her! Lange haben wir in unserer Gemeindebrief-Redaktion überlegt: Werden unsere Leserinnen und Leser diesen Gemeindebrief eigentlich vor oder nach Ostern in Händen halten? Lohnt es sich, noch auf unsere Gottesdienste um Ostern herum hinzuweisen? Oder ist dann schon wieder etwas ganz anderes Thema? Der Kirchentag am 1. Mai zum Beispiel mit seinem Motto: „Soviel du brauchst“? Wie viel Ostern braucht es eigentlich?

Wenn Ostern das Fest ist, das unsere Hoffnung groß macht, dann kann es wohl gar nicht genug Ostern geben für unser Leben und das Miteinander in der Welt. So wichtig ist es doch, dieses Fest um das Licht herum, wichtiger noch als Weihnachten oder Pfi ngsten. Vielleicht denkt nun der ein oder andere, naja, aber ohne Geburt auch keine Auferstehung, oder ohne Tod kein neues Leben. Stimmt, darüber könnte man jetzt diskutieren. Ist aber jetzt gerade eher schwierig.

Ich will also daran festhalten: Wir kommen von Ostern her! Im doppelten Sinne: jetzt in diesem Moment und auch in unserer Kirche. Erst das Osterfest brachte die Menschen damals dazu, zu zweifeln und zu glauben. Und vor allem weiterzuerzählen: Christus ist auferstanden! Wie ist das geschehen? Keine Ahnung, aber seht selbst! Ostern setzt Menschen in Bewegung. Eines der schönsten Auferstehungsbilder habe ich vor einigen Jahren in der Kapelle einer evangelischen Begegnungsstätte in der Nähe von Hamburg gesehen.

Ein langgezogenes Gemälde, es hängt über dem Altar und ist genauso breit wie dieser. Nichts weiter hat der Künstler gemalt als eine leere Matratze, die auf dem Boden liegt. Das Laken und das Kissen, lichtweiß. Der Untergrund ebenfalls lichtweis. Das ganze Bild besteht aus unterschiedlichen Farbabstufungen von weiß. Die Bettdecke ist zur Seite geschlagen. Da hat jemand sein Bett verlassen. Das Bild erinnert mich an ein Gedicht
von Marie Luise Kaschnitz, „Auferstehung“:

Manchmal stehen wir auf,
stehen wir zur Auferstehung auf.
Mitten am Tage
mit unserem lebendigen Haar
mit unserer atmenden Haut.
Nur das Gewohnte ist um uns.
Keine Fata Morgana von Palmen
mit weidenden Löwen
und sanften Wölfen.
Die Weckuhren hören nicht auf zu ticken,
ihre Leuchtzeiger löschen nicht aus.
Und dennoch leicht
und dennoch unverwundbar,
geordnet in geheimnisvolle Ordnung,
vorweggenommen in ein Haus aus Licht.

Ja, manchmal stehen Menschen auf, mitten am Tag. Streichen sich ihr Haar nach hinten, schauen sich um und gehen los. In der Jesusgeschichte gehören Tod und Auferstehung zusammen. In der Jesusgeschichte kennt die Hoffnung keine Grenzen. Und auch in der Nachfolge Jesu stehen Menschen auf gegen das Gewohnte. Was ist eigentlich das Gewohnte? Dass der Mensch dem anderen Menschen erst einmal ein Wolf ist, dass erst das Fressen kommt und dann die Moral, das ist wohl das Gewohnte.

Die Osterbotschaft hält dagegen: das Gewohnte kann durchbrochen werden von Menschen, die Bilder malen mit Worten und Händen – von weidenden Löwen und sanften Wölfen, von Sonnenaufgängen und Häusern aus Licht. Die Welt und unser Leben können von Ostern gar nicht genug bekommen und es lohnt sich wohl immer auf unsere Gottesdienste hinzuweisen: In der Osternacht, am Ostersonntag und am Ostermontag füllen wir unsere Kirche mit Licht und Glanz und Hoffnungsbildern. Vielleicht sehen wir uns.

In diesem Sinne eine lichtvolle österliche und fröhliche Zeit

wünscht Ihnen und Euch
Pastorin Bettina Rutz

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