Gemeindebrief Dezember 2013

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort (…). In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat‘s nicht ergriffen.“ Prolog des Johannesevangeliums

Pastorin Bettina Rutz
Liebe Leserinnen und Leser,

es gibt die sogenannten ersten und letzten Worte. Mit den ersten beginnt in der Regel etwas ganz Neues, die letzten beschließen, beenden und begrenzen die Angelegenheit.

Es gibt erste Worte in Büchern, in Briefen, in Filmen, im Leben eines Menschen – genauso wie hier und dort auch letzte Worte zu finden sind.

Wissen Sie eigentlich um Ihr erstes Wort? Wen oder was haben Sie eigentlich angesprochen? Waren es die Klassiker: Mama oder Papa? Oder haben alle staunend und ahnungslos geschaut bei Ihrer ersten Wortneuschöpfung: Was um Himmels willen will das Kind uns damit nur sagen?

Und welches werden wohl unsere letzten Worte sein, die beenden, beschließen, begrenzen? Es gibt eine faszinierende Liste letzter Worte. Manche davon sind berühmt geworden. Johann Wolfgang von Goethe soll gesagt haben: Mehr Licht!

Das könnte man als Christenmensch jetzt tiefsinnig deuten, braucht man aber nicht, denn er meinte damit lediglich, man möge auch den anderen Fensterladen aufmachen, damit es heller in seinem Zimmer würde. Von Jesus sind gleich drei letzte Worte überliefert: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist“ und „es ist vollbracht“ und „warum hast du mich verlassen?“ Von seinen ersten Worten wissen wir nichts, zumindest wurde nichts überliefert aus Bethlehem oder der Zeit danach.

Der indische Guru Meher Baba sagte als letztes, bevor er sein Schweigegelübde ablegte und bis an sein Lebensende kein Wort mehr über seine Lippen brachte: „Don’t worry, be happy.“ Bobby McFerrin machte daraus später einen Hit.

Das letzte geschriebene Wort von Martin Luther war: „Wir sind alles Bettler, das ist wahr.“ -Und Curt Cobain schrieb als letztes an seine Frau: „Ich liebe dich“ – bevor er sich das Leben nahm. Das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung des Johannes, schließt mit einem Wort des Christus Jesus, der sagt: „Ich komme bald – zu euch“, und der Autor der Offenbarung, Johannes antwortet: „Amen, ja, komm, Herr Jesus.“

So endet die Bibel und bleibt doch offen. Da ist erst mal gar nichts beendet, begrenzt und beschlossen. Da steht noch etwas aus, das war noch nicht das letzte Wort. „Marana tha“ riefen die Gläubigen der jungen Christenheit, ihr aramäisches „Herr, komm“, mit anderen Worten: Befreie uns, richte dein Reich endgültig auf, bringe alles zurecht. Das ist der große Advent. Der Heiland, der Friedefürst kommt und bringt Heil und Segen mit sich. Doch am Ende des Advents werden wir nicht hochschauen, sondern in die Krippe. Auf ein schlafendes Kind!

Wie wäre es aber, wenn es nicht so wäre? Wenn Jesus als Erwachsener uns tatsächlich besuchen würde? Wenn er zu Gast sein würde in einer seiner Kirchengemeinden. Was würde er denken, tun und sagen? Der englische Schriftsteller Adrian Plass hat eine Kurzgeschichte darüber geschrieben und deutsche Filmemacher sind darauf aufmerksam geworden und haben sie umgesetzt in einen kurzweiligen Film mit starken Worten, die vieles auf den Punkt bringen.

Mit britischem Humor können wir da erleben, was alles möglich ist im Advent, einer Zeit voller großer und kleiner Wunder. Am Donnerstag, den 12. Dezember zeigen wir diesen Film mit dem Titel „Der Besuch“ um 20 Uhr in unserem Gemeindesaal. Sie alle sind herzlich eingeladen, den Advent einmal in diesem Sinne zu erleben. Bis dahin und darüber hinaus wünsche ich Ihnen und Euch allen eine gesegnete und friedvolle Advents- und Weihnachtszeit.

Pastorin Bettina Rutz

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