Unsere Kirche liegt im Zentrum der Fritz-Schumacher-Siedlung, in die vor genau 80 Jahren (April 1920) die ersten Familien eingezogen waren. Unser Gemeindegebiet umfaßt die gesamte Siedlung und dazu noch später entstandene Straßenzüge, Bauten und Siedlungen, die um die alte Reihenhausanlage mit ihren großen Gärten herum entstanden waren, verkehrsgünstig gelegen durch den Bahnhof Langenhorn-Nord. Die Häuser wuchsen dort am Diekmoorweg sehr in die Höhe, bei Einzel und Reihenhäusern blieb es dagegen östlich der Fritz-Schumacher-Allee und im Gebiet der Siedlungsgemeinschaft "Grote Raak e.V." im Südosten unseres Gemeindegebietes. Die neuesten Nachbarn sind gerade dabei, nördlich der Hohen Liedt in ihre fertiggestellten Reihenhäuser einzuziehen und wir heißen sie herzlich willkommen. Dort herrscht zur Zeit vielleicht eine in mancher Hinsicht ähnliche Atmosphäre wie damals vor 80 Jahren, als die ersten Siedler sich miteinander bekannt machten. Ohne die Fritz-Schumacher-Siedlung und ihre Bewohner wäre unsere Gemeinde nicht was sie ist. Und die Arbeit der evangelischen Kirche unter den ersten Siedlern, den "Börnern" begann sofort. Deshalb feiern wir gerne mit!
Natürlich gab es 1920 noch keine Kirche in Langenhorn, aber je mehr Menschen sich hier ansiedelten, um so mehr bekam der erste zuständige Pastor zu tun und als um so dringlicher wurde der Bau einer Kirche empfunden. Bis zur Lukaskirche in Fuhlsbüttel mußte damals wandern, wer einen Gottesdienst besuchen wollte.
Pastor Friedrich Wilhelmi war mit den ersten Bewohnern hier eingezogen und schrieb bereits 1921 an seine Kirchenleitung: "Es ist mit Entschiedenheit die Schaffung eines neuen kirchlichen Zentrums für Langenhorn anzustreben mit dem Ziel, sobald wie möglich Kirche, Gemeindehaus und Pastorat in der Siedlung zu errichten..."
Die erste noch kleine Gemeinde traf sich in der Wohnung des Pastors Ecke Tangstedter Landstraße/Immenhöven. Bald darauf konnte ein Kirchsaal gemietet werden, genau gegenüber unserer heutigen Kirche, dort wo jetzt die Wohnanlage "Ole Börner" steht. Hier fanden in den 20iger Jahren regelmäßig Abendgottesdienste statt. Der Nachfolger von Pastor Wilhelmi, Pastor Tolzien, konnte sich bereits über eine rege Gemeinde freuen. Der Gottesdienstbesuch in dem kleinen Kirchsaal stieg an, noch stärker wuchs der Kindergottesdienst. Daneben gab es Erwachsenenkreise und Jugendarbeit und natürlich Konfirmandenstunden. Die großen Feste wie Konfirmationen konnten ab 1930 in der neuen Ansgarkirche gefeiert werden.
Innerhalb der Siedlergemeinschaft gehörten die meisten allerdings nicht der Kirche an. Und so gehört es zu den Kuriositäten unserer Geschichte, daß 1929 eine Abstimmung unter den Bewohnern der Siedlung gegen den Bau einer Kirche bzw. eines Gemeindehauses ausfiel. Auf die Frage: "Sind Sie für die Errichtung eines Hauses für kirchliche Zwecke?" stimmten 516 Einwohner mit "Ja"; 1445 mit "Nein". Pastor Tolzien und der Kirchenvorstand fühlten sich durch dieses Ergebnis jedoch sehr ermutigt. Es sei ein "dringendes Bedürfnis danach vorhanden" schrieben sie damals an die Landeskirche, immerhin "26% der wahlberechtigten Bevölkerung, d.h. über ein Viertel, wünschen und verlangen einen kirchlichen Bau in der Siedlung".
Die folgende Geschichte bleibt spannend. Während des "Dritten Reiches" wurde die Gemeinde aus ihrem angemieteten und frisch renovierten Gemeindehaus (Immenhöven 21) auf Antrag des Siedlungsarztes Dr. Schröder und mit Hilfe der Partei und der Reichsärztekammer vertrieben. Im selben Jahr 1939 bewilligte die Landeskirche die 16.000,- RM zum Kauf des Grundstückes Ecke Hartmannsau/Tangstedter Landstraße. Doch dann begann der 2. Weltkrieg und der Bau von Kirche und Gemeindehaus mußte noch warten.
Am 9. Mai 1954 konnte dann die Broder-Hinrick-Kirche eingeweiht werden. 1500,- DM hatte allein eine Haussammlung in der Siedlung für die Inneneinrichtung ergeben, insgesamt wurden dafür über 4000,- an Spenden gesammelt. Die Stimmung in der Bevölkerung hatte sich also noch wesentlich zu mehr Akzeptanz verändert.
Heute sind die Kirche und die Gemeindearbeit aus dem Leben und Alltag der meisten Anwohner nicht mehr weg zu denken. Das zeigt vor allem die große Beteiligung am jährlichen Basar. Aber wie viele Tausende von Langenhornern sind in unserer Kirche schon getauft, konfirmiert oder getraut worden! Wenn die Steine reden könnten... Dass die Kirche zu den großen Festen zu klein geraten ist, ist ein altes Problem, dass wir jedoch mit Gelassenheit sehen; ändern können wir es nicht. Und stimmungsvoll ist es in einer vollbesetzten Kirche auf jeden Fall.
Wenn am Wochenende vom 15.-17.September in und auf dem Gelände der Fritz-Schumacher-Gesamtschule gefeiert wird, dann feiern wir evangelischen Christen mit. In der Ausstellung zur Geschichte der Siedlung wird auch über die Kirchengeschichte informiert. Am Sonntag laden wir alle Anwohner und Gemeindeglieder von außerhalb der Siedlung zu einem Festgottesdienst in die Pausenhalle ein. Dort wird auch unser Gospelchor singen. Und genug Platz bietet die Halle dann auch...
Pastor Andreas Riebl