Annäherungen an die Kirche

von Pastor A. Riebl
Pastor Andreas Riebl

Eine kleine Kirche steht da, unverhofft während einer Wanderung, inmitten eines verschneiten Feldes. Geht es Ihnen auch so wie mir? Gerade unterwegs, im Urlaub, zieht eine solche Kirche meine Neugier an. Erinnerungen an eigene Erfahrungen mit Kirchen werden lebendig, schöne und unangenehme, ebenso wie stimmungsvolle und ergreifende. Besonders in alten Kirchengebäuden, die vielleicht einen Taufstein aus dem 12. Jahrhundert in sich bergen, berührt uns ein Hauch von Ewigkeit. Kirche ist mehr als ein Gebäude, mehr auch als die eigene Gemeinde am Wohnort. Sie umspannt den Bogen der Generationen vor uns und sie steht für die Sehnsucht nach einer Bezogenheit unseres Lebens auf etwas Höheres hin, auf die Quelle des Lebens, die Schöpfermacht, die wir Gott nennen. Selbst Menschen, die wenig Kontakt zu ihrer eigenen Kirchengemeinde haben, bekennen freimütig: Ich suche gern die Ruhe und Erhabenheit eines Kirchenraumes auf. Gott scheint hier wirklich zuzuhören.

Solche und ähnliche Erfahrungen bekomme ich häufig von Menschen erzählt, die aus der Kirche ausgetreten sind. Und immer öfter wird mir die Frage gestellt:

Wie tritt man eigentlich (wieder) in die Kirche ein?

Da ist eine Frau, die Patentante bei der Tochter einer Freundin werden soll, aber vor einigen Jahren anläßlich ihres Umzugs in einen anderen Stadtteil aus der Kirche ausgetreten war. Nun mit der Bitte um die Patenschaft konfrontiert, beschäftigt sie sich in Gesprächen mit Bekannten und Familienangehörigen und in ihren Gedanken wieder intensiv mit Fragen um Glauben und Kirche.

Oder der Vater eines Kindes, das getauft werden soll, - ebenfalls vor einigen Jahren aus der Kirche ausgetreten - stellt im Taufgespräch mit dem Pastor, seiner Frau und den Paten plötzlich fest, daß sein Kind in eine Gemeinschaft aufgenommen werden wird, der zwar seine Frau und die Paten angehören, aber er selbst nicht. Was machen wir hier eigentlich? fragt er sich. Wir sind doch eine Familie, die zusammengehört! In dem Gespräch über die Taufe spricht er seine Gedanken an und erzählt auch einige Erlebnisse, die ihn in seiner damaligen Lebenssituation veranlaßten, die Kirche zu verlassen. Jetzt hat sich manches verändert. Die Broder-Hinrick-Gemeinde, in der er seit einigen Jahren lebt, gefällt ihm. Auch einige wichtige Fragen des Glaubens, die ihn beschäftigen, kann er in diesem Gespräch klären. Er entschließt sich zum Wiedereintritt. Immer mehr Menschen merken offenbar in einer bestimmten Lebensphase, daß ihnen der christliche Glaube und auch die Mitgliedschaft in einer Kirchengemeinde doch nicht gleichgültig sind. Es sind häufig Menschen in der Mitte ihres Lebens. Nach der manchmal langen Zeit der Berufsausbildung, einigen Wohnungswechseln kommen wir einerseits zur Ruhe. Wir lassen uns nieder. Paare, die ein Kind erwarten, begegnen dem Wunder von Zeugung und Geburt, gleichzeitig wird ihre Liebe auf eine neue Probe gestellt. Wir erleben, wie Kinder heranwachsen, Charakter und Liebesfähigkeit entwickeln, Fragen stellen. Auch Fragen nach dem Sinn und den Grenzen des Lebens. Themen aus dem Konfirmandenunterricht wirken zu Hause fort. Wir erleben auch, wie die eigenen Eltern sich in der letzten Phase ihres Lebens einzurichten versuchen, welche Fragen sie im Älterwerden berühren. Mit uns in der Kirchengemeinde kann man reden. Auch außerhalb von Gottesdiensten und Amtshandlungen. Wir nehmen uns Zeit - für einen Klönschnack oder auch für ein persönliches Gespräch. Auch wenn Sie nicht der Kirche angehören - "unverbindlich" sozusagen.

Und wenn Sie wieder eintreten möchten: Es ist ganz einfach. Wirklich. Sie können es in Ihrer Kirchengemeinde tun, mit einem Gespräch mit Pastor oder Pastorin, das vor allem dem gegenseitigen Kennenlernen dient. Rufen Sie uns an und vereinbaren Sie einen Termin mit uns.

A. Riebl