Manchmal müssen wir erleben, daß es um uns Dunkel wird. Unsere Seele und wir mit ihr müssen ein tiefes Tal durchwandern. Es ist uns, als würde die Welt um uns herum kälter, ärmer, trauriger. Die Bedrückung ist körperlich spürbar. Uns vergeht der Appetit aufs Essen, aufs Arbeiten, auf die Freizeitgestaltung. Man würde morgens am liebsten im Bett bleiben. Die Freude anderer Menschen vermag kaum mehr zu uns durchzudringen.
Für Niedergedrücktheit und Trauer gibt es vielfältige Ursachen. Häufig ist es ein Verlust. Der Verlust eines geliebten Menschen durch Trennung oder Tod. Aber auch der Verlust des Arbeitsplatzes drückt viele Menschen nieder. Oder ein Streit mit jemandem, der uns wichtig ist, verbunden mit Kränkungen oder seelischen Verletzungen. Manchmal wird uns auch der ganz normale Alltag zuviel. Wir erleben nur noch Wiederholungen. Das Leben wird schal und es drängt sich der Schluß auf: So kann es nicht weitergehen. Wir spüren den Verlust der Lebensfreude.
Die Bibel weiß viele Geschichten zu erzählen, in denen es Menschen ebenso geht. So ist das Leben, so sind wir Menschen. Es ist nicht immer eitel Sonnenschein, wie es uns täglich in der Fernsehwerbung vorgegaukelt wird. "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen" ruft der Beter des Psalms 22 und nach ihm auch Christus am Kreuz.
Daß auf den Karfreitag das Osterfest folgt, daß auf Leiden und Sterben die Auferstehung und das Leben folgen, ist das Fundament des Christlichen Glaubens. Doch dieses Fundament würde hohl und brüchig, der Glaube an die Auferstehung leer und blaß, gäbe es nicht Menschen, die das in ihrem Alltag selbst erlebten.
Gott sei dank geschieht Ostern nicht nur an einem Sonntag im Frühling, sondern bricht sich im Leben vieler Menschen Bahn, die sich in ihrer Verzweiflung Gott anvertrauen und ihre Hoffnung nicht aufgeben.
In der Begleitung von Trauernden, in Seelsorge-Gesprächen mit Menschen in Krisensituationen dürfen wir als Pastor und Pastorin, aber auch als ehrenamtliche Seelsorger/in immer wieder auch beglückende Erfahrungen machen. Manchmal ist der Weg durch das Tal sehr weit und steinig. Und doch sieht jemand plötzlich "Licht am Ende des Tunnels", einen Ausweg, einen warmen Strahl, wiedergefundene Lebensfreude. " Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen" - diese Vision aus der Offenbarung des Johannes kann im Leben Wirklichkeit werden und eine ganz persönliche Ostererfahrung sein.
Ostern heißt: Neues Leben ist möglich. Kein Tal ist so tief, daß Gott uns nicht mehr heraus zuführen vermag. Gut, daß es Menschen gibt, die uns sichtbar ein Stück begleiten, wenn es uns schlecht geht, und die mit uns die Hoffnung teilen, daß Auferstehung möglich ist. Auferstehung aus dem, was uns bedrückt.
Auferstehung zu einem neuen Leben mit Liebe, Geborgenheit und Zärtlichkeit. Manche/r schreckt davor zurück, obwohl er/sie sich danach sehnt; so wie die Frauen am Grab in der Ostergeschichte, die zunächst erschrecken. "Fürchte dich nicht!" rufen da die Engel. Es gibt ein Licht am Ende des Tunnels, es gibt eine Auferstehung aus dunklen Tälern.
Ihre Pastorin F. Dethloff-Schimmer und Ihr Pastor A. Riebl.