Sommergedanken

von Pastorin Fanny Dethloff-Schimmer

Schon jetzt quellen die Gärten über vor Blumen. Alles blüht gleichzeitig: die Japanischen Kirschblütenbäume im Immenhöven, die Flieder in den Gärten, das Grün der Bäume und die Blütenpracht. Über den Gartenzaun begegnen sich Nachbarn und halten Klönschnack zwischen der Gartenarbeit.

Der Rasenmäher surrt und die ersten Grillfeuer zeugen von den warmen Abenden.

"Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerszeit an Deines Gottes Gaben". Die Schöpfung ist ein Spiegelbild des Schöpfers unser kleines Glück ein Vorgeschmack auf die Ewigkeit. So jedenfalls besingt es Paul Gerhardt.

Er hat nicht mit seinem Loblied auf die Schöpfung und die Natur die bittere Realität "wegsingen" wollen - und nach dem 30 jährigen Krieg Anfang des 17. Jahrhunderts war die Realität bitter. Nein, er hat sie als Gleichnis genommen: Mach in mir deinem Geiste Raum, daß ich Dir werd ein guter Baum und laß mich Wurzel treiben. Verleihe, daß zu Deinem Ruhm ich Deines Gartens schöne Blum` und Pflanze möge bleiben.

Und mancher, dem es heute schlecht geht, weil er in Trauer ist, den Arbeitsplatz verloren hat, sich sorgt um Gesundheit und Familie, mag es ähnlich gehen, angesichts der Üppigkeit der Natur. Nicht als Affront, sondern als Trost, nicht als Gegenbild zur eigenen inneren Welt, sondern als mutmachender Hinweis will sie verstanden werden.

"Der Weizen wächst mit Gewalt darüber jauchzet jung und alt und rühmet die groiße Güte, des der so überfließend labt und mit so manchem Gut begabt das menschliche Gemüte..." So überfleißend und prächtig wie die Natur ausgestattet ist, so hast auch Du gute Gaben empfangen. Diese guten Gaben zu schätzen und zu würdigen, sie wieder zum Vorschein holen und mit mehr Selbstvertrauen wieder an die Aufgaben herangehen, darum geht es in Paul Gerhardts Lied.

Eine schöne Sommerzeit